Weihnachtszauber Magazin

14 We i hnach t s zaub er Gurken, Kugeln und Co. Im Thüringer Wald haben die mundgeblasenen und handbemalten Christbaumkugeln lange Tra- dition. Lauscha ist die Geburtsstätte des gläser- nen Christbaumschmuckes und des Kunstglas- bläserhandwerkes. Noch heute werden hier die weihnachtlichen Kostbarkeiten in Handarbeit her- gestellt. Geburtsort der Christbaumkugel Der Legende nach war es im Jahr 1847 die Idee eines armen Lauschaer Glasbläsers gewesen, bunte Kugeln aus Glas für den Christbaum herzu- stellen. Damals nutzte man Früchte, Nüsse oder Zuckergebäck zur Dekoration des Baumes. Da sich der Glasbläser keine teuren Walnüsse und Äpfel leisten konnte, stellte er den Baumschmuck aus Glas her. In einem erhaltenen Auftragsbuch eines Glasbläsers ist ein Auftrag über sechs Dut- zend „Weihnachtskugeln“ vermerkt. Der Eintrag ist aus dem Jahr 1848 und hält damit die erste Bestellung der Kugeln fest. Der Weg der Kugel führte zunächst von Lauscha ins benachbarte Sonneberg. Die Verleger dort nahmen die Glaskunst mit auf die Leipziger Mes- se. Von da aus verbreiteten sich die farbigen Glaskugeln weiter. Einfach königlich! Ganz unschuldig an der Bekanntheit des Baum- behanges waren Kaiser Wilhelm und Winfield Woolworth auch nicht. Ersterer ließ 1871 im französischen Versailles einen Weihnachtsbaum mit den Glaskugeln schmücken. Woolworth ent- deckte die Kugeln in Sonneberg und verkaufte sie bereits Ende des 19. Jahrhunderts in seinen ame- rikanischen Kaufhäusern. 2016 machte Erbprinz Hubertus von Sachsen-Co- burg und Gotha der Queen ein ganz besonde- res Geschenk: eine stattliche Nordmanntanne mit 2000 mundgeblasenen goldenen Glaskugeln. Jede mit einem Durchmesser von 20 cm. Die Schüler der Berufsfachschule für Glas in Sonne- berg hatten diese Kugeln in monatelanger Hand- arbeit hergestellt. Gurken am Baum In Amerika ist eine spezielle Form von Baum- schmuck gefragt: eine gläserne Gewürzgurke. Angeblich kommt die „christmas pickle“ aus Deutschland. Die Gurke wird jedenfalls an den Baum gehangen. Da beides grün ist, tarnt sich das Gemüse dort gut. Wer die Gurke zuerst fin- det, hat im nächsten Jahr besonders viel Glück, bekommt ein Extrageschenk oder darf mit dem Geschenkeöffnen beginnen. Wo auch immer dieser skurrile Brauch herrührt – ob als deutsche Tradition in Vergessenheit geraten oder durch amerikanische Erzählungen wieder bei uns gelandet: In Lauscha wird die gläserne Gurke seit vielen Jahren hergestellt. Ein Lauschaer Glasbläser berichtet sogar, er habe in den alten Formen seines Groß- und Urgroßvaters eine Gur- kenform gefunden. Well then, give me a pickle and I’ll hang it on my tree! str/thüringen entdecken Foto: thueringer-walde.de

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